Dipl.-Ing. Bernd Voigt 2004

Anfahren der Turbine bei Kaltstart des Dampferzeugers

Vorbereitungen

Regler Kühlwassermenge

Zunächst werden einige Hilfsaggregate in Betrieb genommen, damit für den Turbinenbetrieb die nötigen Startvoraussetzungen erfüllt sind. Hierzu gehört das Einstellen der Hauptkühlwassermenge zur Kühlung des Kondensators. Das Wasser kann einem Fluss oder einem Kühlturm entnommen werden. Der Unterschied liegt dabei vor allem in der Kühlwassertemperatur. Im vorliegenden Fall ist eine Pumpe bei Kühlturmbetrieb aktiv.


Lagerölversorgung sicher stellen

Lagerölversorgung Turbine

Während in der Anlage nun andere Hilfsaggregate, wie Feuerlöschanlage, Hilfsdampfversorgung und diversen Hilfssystemen für Frischlüfter, Saugzug, Ölförderung, etc. in Betrieb gehen, heißt es für die Turbine: Lagerölversorgung sicher stellen.

Die Notlaufpumpe war kurz im Testbetrieb, da wird der Öltemperaturregler auf REGELN geschaltet und die Lagerölpumpe in Betrieb genommen. Die Druckölentlastungspumpe hebt anschließend mit hohem Druck die Welle kurz an und die Wellendrehvorrichtung wird gestartet. Sobald die Turbinenwelle ausreichend schnell dreht um einen sicheren Ölfilm in den Gleitlagern zu erzeugen, kann die Entlastungspumpe wieder außer Betrieb gehen.


Entwässerungen öffnen

Entwässerungen Turbine

Nun werden die Entwässerungen der Turbine geöffnet, damit später kondensierender Dampf nicht in den Gehäusen bleibt.


Sperrdampfsystem in Betrieb nehmen

Sperrdampfsystem Turbine

Sind alle Enwässerungen offen, wird das Sperrdampfsystem gestartet. Geht der Sperrdampf-Druckregler auf REGELN, verdrängt der einströmende Dampf zunächst die Luft aus dem System und dichtet die Gehäuse anschließend zur Umgebung ab. Hierfür wird im Sperrdampfsystem ein Druck leicht über dem Umgebungsdruck gehalten. Zusammen mit dem Hauptkondensator, der nun evakuiert wird, sorgen ein Schwadenkondensator und zwei Schwadengebläse für die Aufrechterhaltung des Vakuums.


Vorwärmen der Gehäuse

Gehäusetemperaturen Turbine

Die Turbinengehäuse können anschließend vorgewärmt werden. Dampf von der Hilfsdampfschiene wird in die Gehäuse geleitet und erwärmt diese langsam bis auf ca. 250 °C.


Beschleunigen des Turbosatzes

Dehnung, Lage, Schub und Schwingung Turbine

Währenddessen wurde der Dampferzeuger vorbereitet. Die Speisewasserförderung samt Vorwärmern ist in Betrieb, die Feuerung auf Mindestlast eingestellt, die Einspritzregelungen der Überhitzer auf Automatik gesetzt und die Frischdampfleitung ist vorgewärmt. Auch die Steuerölversorgung ist nun in Betrieb.

Der Drehzahlzielwert der Turbine wird auf 1000 Upm gesetzt, die Schnellschlüsse geöffnet und der Turbosatz beschleunigt.

Beim Beschleunigen werden vor allem die Schwingungen und Temperaturdifferenzen dickwandiger Gehäuseteile beobachtet.


Synchronisieren und Leistung aufnehmen

Vollastbetrieb Turbine

Nach Freigabe der Turbinenkriterien wird der Turbosatz schnell auf Nenndrehzahl beschleunigt und der Generator anschließend mit dem Netz synchronisiert. Nun soll elektrische Leistung abgegeben werden und der Leistungsregler gibt den Zielwert vor.